Gedanken zur Erwerbsarbeit

Was erwarten sich junge Menschen, besonders die Generation Z, von der Arbeitswelt und von der Er-werbsarbeit?
Die Generation Z bezeichnet Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren worden sind. Allerdings sind hier leicht unterschiedliche Interpretationen und Angaben zu finden.

Im Rahmen einer Motivstudie gemeinsam mit dem Markt- und Motivforschungsinstitut comrecon hat das digitale Jobportal karriere.at im August und September 2022 Personen, die der Generation Z angehören, zu unterschiedlichen Themenstellungen befragt.

(Quelle: https://www.karriere.at/c/a/gen-z-erwartungen-an-arbeitgeber)

Hier ein Auszug aus den Ergebnissen mit den jeweiligen Kommentaren von Paul Slamanig:

Der perfekte Job fordert und macht glücklich

Eine der wichtigsten Anforderungen an den Job aus Sicht der Gen Z: Er muss Spaß machen! Das bedeutet aber nicht, dass die Tätigkeit einfach sein soll. Ganz im Gegenteil! Die Gen Z wünscht sich einen Job, bei dem sie beruflich gefordert wird und in dem sie sich weiterentwickeln kann, beispielsweise in Form einer Beförderung.
Der Tätigkeitsbereich soll außerdem spannend und abwechslungsreich sein und glücklich machen. Eine Work-Life-Balance bildet den krönenden Abschluss.

Paul Slamanig
Diese Forderung ist für mich klar nachvollziehbar. Auch ist schön, dass die Befragten sagen, sie möchten gefordert werden. Das ist die beste Möglichkeit, Menschen zu entwickeln: fördern und gleichzeitig fordern, um die Potenziale auch umsetzen zu können und zu dürfen.

Die Forderung, der Job müsse „Spaß“ machen ist jedoch einigermaßen grotesk. Ich denke, jeder von uns wird unschwer erkennen, dass es viele Jobs gibt, die – auf die Kerntätigkeiten bezogen -, wenig „Spaßpotenzial“ bieten.
Mir würde davor grauen, wenn ein Chirurg Spaß bei einer Operation empfindet, dasselbe gilt für Menschen, die auf einem Schlachthof arbeiten, im Kinderspital und für viele weitere Berufe.
Spaß ist sich die falsche Kategorie, möglicherweise ist etwas anderes gemeint: nämlich Freude. Freude an den Ergebnissen der Arbeit, Freude an der eigenen Wirksamkeit. Dann ist diese Forderung sehr zu be-grüßen. Meine Gedanken zum Begriff Work-Life-Balance führe ich an anderer Stelle aus.

Ob ein Job „glücklich“ macht, bestimmt der der Mensch, der ihn ausübt, selbst. Um es mit den Worten von Viktor Frankl zu sagen: „Was der Mensch wirklich will, ist letzten Endes nicht das Glücklichsein, sondern ein Grund zum Glücklichsein.“ 

Die Gen Z hat ein ausgeprägtes Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse.
Insgesamt neun unterschiedliche Aspekte wurden genannt. Fünf möchten werden nachstehend be-schrieben:

Potenzial ausschöpfen können

Die Generation Z möchte für ein Unternehmen arbeiten, in dem sie ihr volles Potenzial entfalten kann. Arbeitgeber müssen Weiterbildungen sowie den beruflichen Aufstieg, z.B. in Form einer Beförderung, möglich machen.

Paul Slamanig
Genau hier setzt BusinessClass Trainings an. Wir sorgen dafür, dass Menschen in Unternehmen gefördert und entwickelt werden und die Unternehmen gleichzeitig Zeit und Geld sparen.
Die Entwicklung und Förderung von Menschen in Unternehmen kann natürlich auf verschiedenste Arten und Weisen erfolgen. Training in the job und Mentoring sind neben Weiterbildungsangeboten durch externe Profis ebenso nutzbringende Möglichkeiten, das zu tun.

Gutes Gehalt und Benefits

Fast jede zweite der Befragten (44 Prozent) würde für mehr Gehalt den Job wechseln – das zeigt eine weitere Studie. Auch die Gen Z sucht gezielt nach gut bezahlten Jobs, die zusätzlich auch noch Benefits bieten, die über den traditionellen Obstkorb und gratis Kaffee hinausgehen.

Paul Slamanig
Gute Arbeit muss auch gut bezahlt werden, dafür stehe ich als Unternehmer seit vielen Jahren. Es muss aber auch klar sein, dass Geld für Leistung und nicht Geld für Zeit bezahlt wird.
Am Ende des Tages bezahlen die Kunden des Unternehmens alle Kosten, auch die des Personals. Also ist es die gemeinsame Verpflichtung aller im Unternehmen, die Balance zwischen den Gesamtkosten und den Kundenerträgen ausgewogen zu halten. Zusätzlich folgender Gedanke:
Der Gewinn des Unternehmens ist ein Erfordernis, kein Ziel. Diese Weisheit stammt vom Erfinder des modernen Managements, Peter F. Drucker. Nur wirtschaftlich gesunde Unternehmen können Stakehol-der und somit auch die Mitarbeitenden fair behandeln. Wie hoch der Mindestgewinn sein muss, um als Unternehmen wirtschaftlich „gesund“ zu bleiben, klären wir an anderer Stelle.

Nähe zum Wohnort

Weite Anfahrtswege sind für junge Menschen uninteressant. Der perfekte Arbeitsplatz ist gut erreichbar und liegt im Idealfall in unmittelbarer Nähe zum Wohnort. Maximal eine Stunde will die Gen Z in eine Wegstrecke investieren.

Paul Slamanig
Ich denke, Komfort ist ein zentraler Wunsch der meisten Menschen, egal ob jung oder alt. Kaum jemand verbringt gerne mehrere Stunden pro Tag, um zur Arbeit und zurückzukommen.
Aber ich sehe ein Problem, wenn dieser Komfortgedanke zur allgemein gültigen Forderung erhoben wird, der Wohnort einer Person ist ja nicht vorgegeben. Wenn ich die Übernahme einer beruflichen Aufgabe für lohnend genug erachte, dann spricht nichts dagegen, in die Nähe dieses Arbeitsplatzes zu ziehen.
Auch sehe ich hier eine zweite Herausforderung, die ich bereits von vielen Seiten erfahren musste: Viele, auch sehr interessante Jobs sind mit Reisetätigkeiten verbunden. Klarerweise kann das bedeuten, auch ein oder mehrere Nächte auswärts zu verbringen.

Damit sind nicht nur Positionen im Vertrieb oder Außendienst oder Leitungsfunktionen im Management gemeint, denken wir an Handwerksbetriebe, die Aufträge erhalten haben und der Kunde ist 150 km oder weiter vom Betriebsstandort entfernt. Dann wird man nicht nur zum Kunden hin- und zurückfahren müs-sen, sondern möglicherweise dort auch einige Zeit (Tage, möglicherweise eine ganze Woche) verbringen müssen.
Wenn ich die Forderung, nur kurze Strecken für den Beruf zurücklegen zu wollen, zum Dogma erhebe, würden viele Berufe, auch gut bezahlte, interessante und spannende Tätigkeiten gar nicht mehr ausge-übt werden können. Ich glaube nicht, dass damit ein Vorteil für die Beteiligten erzielt werden kann.

Gutes Arbeitsklima

Ein angenehmes Arbeitsklima und ein Team, das sich unterstützt, anstatt sich als Konkurrenz zu sehen – danach sucht die Gen Z. Authentische Einblicke in den Arbeitsalltag – zum Beispiel über Arbeitgeberprofi-le und unternehmenseigene Karriereseiten – ermöglichen potenziellen Bewerbenden, ein Gespür fürs Arbeitsklima zu bekommen.

Paul Slamanig
Ein gutes Arbeitsklima – was immer in Einzelfall darunter verstanden wird – ist nicht nur für junge Menschen, sondern für alle, die gemeinsam eine Leistung erbringen sollen, ein wünschenswerter Zustand.
Das Zustandekommen dieses (Wunsch)Zustand hängt ja nicht nur von „den anderen“ ab, sondern auch von uns selbst.
Die Frage muss also auch lauten: Was kann ich dazu beitragen, dass das Miteinander harmonisch und produktiv ist?
Man nennt das auch das Denken in Beiträgen. In unseren Lehrgängen wird dieses Thema ausführlich diskutiert.

Flexible Arbeitszeiten

Junge Menschen wollen Flexibilität und Spielraum bei den Arbeitszeiten. Homeoffice sollte ebenfalls geboten werden. Der o.a. Studie zufolge wird dieses von Berufstätigen nicht länger als Benefit, sondern Selbstverständlichkeit verstanden.

Paul Slamanig
Ich muss vorausschicken, dass ich ein großer Fan des ortsunabhängigen Arbeitens bin. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, auch einer der Heimarbeit.
Trotzdem bin ich erstaunt, dass diese Diskussion zur allgemein gültigen Forderung erhoben worden ist.
Fragen Sie sich selbst: wie viele Jobs können nicht im „home office“ erledigt werden?

Möchten Sie ihre Ärztin bei der Operation im Home Office sehen, oder den Polizisten, der für Sicherheit auf den Straßen sorgen soll? Kann der Installateur die kaputte Toilette „remote“ von zu Hause aus reparieren?
So wichtig die Fragen über ortsunabhängiges Arbeiten – auch in unserem Unternehmen- sind – mit der Lebens- und Berufsrealität der meisten berufstätigen Menschen hat diese Diskussion wenig zu tun.

Noch ein Hinweis in dieser Sache: Diese Debatte hat bereits in der Vergangenheit massiven Schaden am Arbeitsmarkt angerichtet.
Gerade die vielen Menschen, die einen Job ausüben, der eben nicht von zu Hause oder generell ortsun-abhängig erledigt werden kann, wurden negativ bezüglich ihrer Berufswahl berührt.

Das hat unter anderem dazu geführt, dass der größte Personalmangel in genau diesen Berufen auftritt. Vor allem bei handwerklichen Berufen und bei Berufen, die face to face mit Menschen erbracht werden wie z.B. den Gesundheits- und Pflegeberufe.

Ausblick

Welche Bedeutung die Arbeit für den Menschen hat, klären wir in einem weiteren Beitrag. Auch die Frage, ob Arbeit einen Selbstzweck hat oder nicht. Und auch, was man eigentlich unter einem „Selbstzweck“ versteht.

Autor Paul Slamanig

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Paul Slamanig

Paul Slamanig

Mag. Paul Slamanig ist Wirtschaftstrainer und Unternehmensberater mit über 30 Jahren Erfahrung.

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